Stadtapotheke Fürstenfeld
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Von Genen und Hormonen

Mädchen spielen mit Puppen, Jungen mit Autos. Das liegt nicht nur an der Erziehung, sondern auch an den Genen und Hormonen, sagen Forscher

Julia zieht ihre Barbie stundenlang an und aus, Jonas stapelt Bauklötze. Marie tauscht mit ihrer Freundin ständig Geheimnisse aus, Niklas tobt lieber mit seinem besten Freund durch den Garten. Mädchen hängen an ihrem pinkfarbenen Prinzessinnenkostüm, Jungs verlassen ohne Plastikschwert erst gar nicht das Haus.

Davids Schicksal
Rollenklischees ade? Von wegen. Die lieben Kleinen sind offenbar erstaunlich immun gegen so manchen emanzipierten Erziehungsversuch der Eltern. Unausrottbar scheinen die berühmten Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Glaubten revolutionäre Väter und Mütter in den 70er Jahren noch, ihre Kinder mit antiautoritärer Erziehung vom Ballast alter Rollenstereotype befreien zu können, hat ihr Nachwuchs sie schnell eines Besseren belehrt. Ihre Jungen in den Kinderläden benahmen sich noch dominanter als die Geschlechtsgenossen in regulären Kindergärten. Die Mädels waren dagegen zurückhaltender und schüchterner.

Heute zeigen Untersuchungen aus Hirnforschung und Entwicklungspsychologie immer mehr, dass Gene und Hormone mit im Spiel sind, wenn kleine Mädchen ihre Puppe herzen und Jungs den Bagger durch den Sand rollen. „Der Einfluss der Gene und Hormone auf die Geschlechter existiert“, sagt auch die Münchener Kinder-Endokrinologin Prof. Ursula Kuhnle- Krahl, und erinnert an einen Fall, der 1966 in Kanada seinen Anfang nahm und dies in der Medizin sehr drastisch gezeigt hat: Ein Junge, David Reimer, verlor im Alter von acht Monaten durch eine fehlerhafte Beschneidung seinen Penis. Ärzte und Eltern entschieden, aus dem Baby ein Mädchen zu machen. Man operierte es um, es bekam weibliche Hormone, und David wuchs als Brenda auf.

Der Junge, der kein Mädchen sein wollte
Doch seine Kindheit war konfus. Er wollte die Röcke und Kleidchen nicht tragen, die seine Eltern ihm gaben, er spielte lieber mit den Sachen seines Bruders als mit Puppen und hatte Schwierigkeiten Freundinnen zu finden, weil er sich als Mädchen so wild benahm.

Dass er eigentlich ein Junge war, erzählten ihm die Eltern erst in der Pubertät. Für ihn war dies der Wendepunkt: Er beendete sein Leben als Mädchen – und nahm seinen ursprünglichen Namen an, später heiratete er eine Frau. Die Experten lernten daraus, dass man ein Kind, das sich als Junge fühlt, nicht einfach zum Mädchen erziehen kann.


Autor: Claudia Prath · Letzte Änderung: 28.10.2005 08:21:13

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